Achtung Bergahorn – Lebensgefahr durch Hypoglycin A beim Pferd
Aus aktuellem Anlass möchten wir auf die Gefahr einer Vergiftung ihrer Weidepferde aufmerksam machen: In den letzten Wochen sind in Deutschland wiederholt Fälle von Bergahornvergiftungen aufgetreten. Besonders gefährdet sind Pferde, die Zugang zu Flächen mit oder in der Nähe von v.a. Bergahorn (Acer pseudoplatanus) haben.
Die toxische Substanz Hypoglycin A kommt in Samen (den typischen Flügelfrüchten), Keimlingen und jungen Trieben verschiedener Ahornarten vor. Pferde nehmen diese Pflanzenteile meist dann auf, wenn das Grasangebot auf der Weide nicht mehr ausreichend ist, wie z.B. jetzt im Herbst.
Die toxische Aminosäure Hypoglycin A führt beim Pferd zur sogenannten atypischen Weidemyopathie, einer schweren und teils tödlich verlaufenden Erkrankung. Nach der Aufnahme des Giftes kommt es zu einer massiven Schädigung der Muskulatur, welche sich in deutlich erhöhten Muskelwerten (CK, LDH, AST) zeigt und zu einer ausgeprägten Myoglobinurie (rot-brauner Harn) führt.
Auf folgende Symptome sollten Sie achten: generalisierte Schwäche, Steifheit, Kolik, schnelle Atmung (Tachypnoe) und erhöhter Puls (Tachykardie), veränderte Harnfärbung.
Leider verläuft die Erkrankung bei Pferden mit ausgeprägter Symptomatik häufig tödlich, 60–70 % der betroffenen Tiere überleben trotz intensiver Behandlung nicht.
Ein Nachweis von Hypoglycin A kann direkt aus dem Serum (1 ml) erfolgen und liefert wichtige Hinweise zur Diagnose. In perakuten Fällen der Weidemyopathie wurden Werte von über 1000 nmol/L festgestellt. Bei Werten unter 100 nmol/L ist es möglich, dass nur geringe Mengen des Toxins aufgenommen wurden oder die Aufnahme bereits vor mehreren Tagen stattgefunden hat. Zu beachten ist, dass das Toxin in der Regel innerhalb weniger Tage im Tier abgebaut wird.
Aus einer Auswertung der eingesendeten Proben in unser Labor im Jahr 2025 zeigt sich ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen seit Oktober: Hier waren rund 87 % der eingesendeten Proben zur Hypoglycin-A-Analyse positiv, und davon zeigten etwa 35 % teils extrem hohe Konzentrationen zwischen 2000 und 8000 nmol/L, während bei den übrigen überwiegend zweistellige Werte festgestellt wurden.
Vorbeugung ist entscheidend: Pferde sollten insbesondere im Herbst (Samenfall) und Frühjahr (Keimlinge) nicht auf Weiden mit oder in der Nähe von Bergahorn gestellt werden. Da vor allem die Flügelfrüchte mit dem Wind weit verbreitet werden können, sollten auch Heuraufen und stehende Gewässer kontrolliert werden. Das Gift ist wasserlöslich und kann somit das Tränkwasser kontaminieren. Eine gute Futterversorgung auf der Weide und regelmäßige Kontrolle sind die besten Schutzmaßnahmen.


